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Saturday, May 19, 2012
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Auf der Suche nach der „Natürlichen Ordnung“
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Gerhard Senft

Auf der Suche nach der „Natürlichen Ordnung“

Der Gerechtigkeitsgehalt im wirtschaftlichen Leitbild Silvio Gesells

35 pages · 8.82 EUR
(April 2006)

 
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Aus der Einleitung von Hans G. Nutzinger:

In seinem Beitrag gibt Gerhard Senft zunächst einen Überblick über die Geschichte des Gerechtigkeitsdenkens seit dem Mittelalter, ergänzt um einige Hinweise auf die griechisch-römische Antike. Der Bruch der politischen Philosophie der Neuzeit mit der aristotelischen Tradition der Gerechtigkeitstheorie, die wir eingangs am Beispiel von Adam Smith aufgezeigt haben, wird von Gerhard Senft im Anschluss an Wolfgang Kersting in einen weiteren, insbesondere auch Immanuel Kant und John Stuart Mill umfassenden Kontext gestellt. Zum Verständnis von Person und Werk Silvio Gesells, des Begründers der Lehre vom „Freiland“ und vom „Freigeld“ als den zentralen Stützpfeilern einer „Natürlichen Wirtschaftsordnung“, trägt es sehr bei, dass zunächst die recht desolate wirtschaftliche und soziale Situation Argentiniens am Ende des 19. Jahrhunderts dargestellt wird. Dorthin nämlich war der im damals preußischen, heute belgischen St. Vith geborene Silvio Gesell im Alter von 25 Jahren ausgewandert. Da eine wesentliche Ursache dieser Krisen in einer teils zu expansiven, teils zu kontraktiven Geldpolitik Argentiniens zu suchen war, wurde für Silvio Gesell die Rolle des Geldes in der „Natürlichen Ordnung“ zum wichtigsten Ausgangspunkt seiner Reformvorschläge. Aber auch die privilegierte Position von Grund und Boden – der weder beliebig reproduzierbar noch substituierbar ist – wurde für Gesell, sicherlich auch unter dem Eindruck des oligarchischen Landeigentums in Argentinien, zum zweiten und ebenfalls bedeutenden Ausgangspunkt seiner Vorschläge. Die Besitzer von Land und von Geld, so lassen sich Silvio Gesells Grundgedanken vereinfacht zusammenfassen, genießen gegenüber den anderen wirtschaftlichen Akteuren eine monopolistische Sonderstellung, die es ihnen erlaubt, von den anderen einen „Monopoltribut“ zu erheischen, den es gleichermaßen aus Gründen der Gerechtigkeit wie aus Effizienzgründen abzuschöpfen gilt.


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Prof. Dr. Gerhard Senft
Gerhard Senft lehrt an der Wirtschaftsuniversität Wien. Theodor Körner-Preis für den Fachbereich Wirtschaftswissenschaften 2001. Arbeitsschwerpunkte: Dogmenhistorie der Nationalökonomie; politische Ideengeschichte der Neuzeit; Geschichte der sozialen Bewegungen; Arbeitswelt, Geldwesen und Wirtschaftspolitik in historischer Dimension; Technologie und Sozialisation.