Ralf Fröchtenicht, Friederike Wall
23 pages · 6.20 EUR
(November 2003)
Aus der Einleitung:
Spätestens mit dem Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) ist deutlich geworden, dass das betriebswirtschaftliche Risikomanagement ein interdisziplinäres Problemfeld darstellt. Die Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaftslehre und Jurisprudenz ist nunmehr augenfällig, und auch die Bezüge zu Sozial- und Ingenieurwissenschaften sind offensichtlich.
Demgegenüber haben die Beiträge der Naturwissenschaften zum betriebswirtschaftlichen Risikomanagement bislang kaum explizite Beachtung in der einschlägigen Literatur gefunden. Diese Lücke zumindest ansatzweise zu schließen, ist das Ziel des vorliegenden Beitrags. Im Interesse einer Konkretisierung dieser – zwangsläufig nur schlaglichtartigen – Überlegungen werden nicht die Naturwissenschaften insgesamt betrachtet; vielmehr wird nur exemplarisch die Physik ins Auge gefasst.
Die weiteren Überlegungen sind folgendermaßen gegliedert. Zunächst gilt es herauszuarbeiten, was unter Risiko im betriebswirtschaftlichen Sinn verstanden werden kann und ob sich zumindest ansatzweise ein vergleichbares Verständnis in der Physik finden lässt. Es wird sich erweisen, dass hier bemerkenswerte konzeptionelle Differenzen bestehen. Gleichwohl kann die Physik wesentliche Beiträge für die Umsetzung des betriebswirtschaftlichen Risikomanagement leisten. Abschnitt 3 skizziert ein Rahmenkonzept, um diese Beiträge zu systematisieren. Das nachfolgende Kapitel 4 geht exemplarisch ein elementares – wenngleich selten expliziertes – Feld des betriebswirtschaftlichen Risikomanagement an, das Problemfeld der Kausalität. Insbesondere wird aufgezeigt, wie mit Hilfe eines differenzierten Kausalitätsverständnisses auf der Grundlage von Quantentheorie und Chaostheorie auch die betriebswirtschaftliche Anschauung und Anwendung modifiziert werden sollte.