Adolf Damaschke
19 pages · 5.64 EUR
(March 2005)
Aus der Schlusspassage des Beitrags:
„Wie ich Henry George bewundere”, schrieb einmal der große Dichter und Philosoph Graf Leo Tolstoi, „seine Rede, die so wahrhaft christlich, und seinen Stil, der so klar ist, und seine Gleichnisse, die so treffend sind! Er hat den ersten Schritt gewiesen, der gegangen werden muss. Seine Gedanken werden eine Macht werden – ja, sie sind eine Macht!
Während dieses Winters haben sich in den langen Abend und Nachtstunden die Bauern oft mit mir unterhalten. Wir saßen um den Teekessel herum und besprachen die Zukunft unseres Landes. Gewöhnlich traten mir zwei Ansichten entgegen: ein Teil wollte jedem erwachsenen Manne einen gleichen Teil Landes geben; der andere wollte das Land der Dorfgemeinschaft auch gemeinsam bebaut haben. Aber wenn ich ihnen dann zum Schluss von Henry George und seiner Lehre erzählte, dann wurden wir immer bald darüber einig, dass dies das Beste sein. Erst letzte Woche kam ein Bauer beinahe 40 Werst über Land, um von mir über Henry George und seine Lehre zu hören.“
Zu derselben Zeit vielleicht, wo abends im Gouvernement Tula durch russisches Schneegestöber ein Bauersmann viele Stunden hindurch wanderte, um ein Wort von Henry George zu hören, da durchziehen auf der anderen Seite der Erdkugel, in Neuseeland, Massen von jubelnden Menschen die Straßen von Auckland und Wellington. Der erst große Wahlsieg ist erfochten. Neue Hoffnung steigt in diesen Menschen auf, und sie jauchzen dem Namen zu, der nach anglosächsischer Sitte auf großen Tafeln in ihren Zügen getragen wird, und dieser Name heißt Henry George.
In den deutsch sprechenden Ländern hat es nie an einzelnen unabhängigen Denkern gefehlt, die die grundlegende Bedeutung der Bodenfrage erkannten und vertraten.
Die Bodenreformer wissen, dass in Deutschland mit seiner tausendjährigen Kultur jede Umwandlung zum Besseren nur auf dem Wege schrittweiser Reformen möglich ist. Sie wissen, dass man heute nur streben kann nach dem, was man heute zu erreichen vermag. Aber sie wissen ebenso gut, dass alles Streben im Heute ohne großes Ziel sehr leicht ein planloses Umherirren ohne dauernden Wert sein kann. Sie wissen, dass man auch den kleinsten Schritt vorwärts wegsicher nur zu gehen vermag, wenn man „allezeit vor Augen getreulich das Höchste behält.“ Und dieses Höchste auf dem Gebiete der Volkwirtschaft finden sie in den Grundsätzen, die in der anglosächsischen Welt Henry George so begeis¬tert verkündet hat: in einer organischen Versöhnung der sozialen Gerechtigkeit und der individuellen Freiheit.