Hauke Brunkhorst
10 pages · 4.18 EUR
(March 2010)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Einen Blick in die Vergangenheit wirft Hauke Brunkhorst. Die Verrechtlichung der Kirche, beginnend mit der ‚päpstlichen Revolution‘ im Mittelalter, kann als Kern und Vorbild der modernen Staatsbildung in Europa interpretiert werden. Dabei ist dies nicht als still ablaufender Prozess zu sehen. Sondern als – immer auch prekäres – Gleichgewicht positiver Rechtsetzung mit einem erheblichen Gegenmoment an utopischem Gehalt. Der Fortschritt besteht darin, Interessengegensätze nicht zu negieren bzw. strikt eine Seite zu privilegieren, sondern Verschiedenheiten jetzt als legitime Positionen in das Recht zu integrieren. Dadurch eröffneten sich Chancen für Freiheit und Emanzipation. Im modernen demokratischen Staat werden dabei – im geglückten Fall – drei Krisendimensionen entschärft, die religiöse Motivationskrise, die politische Legitimitätskrise und die soziale Rationalitätskrise. Allerdings galt dies lange Zeit nur für die europäischen/westlichen Gesellschaften. Die anderen Weltteile wurden faktisch wie juristisch davon ausgeschlossen, im Kolonialismus ausgebeutet und unterdrückt. Das Dialektische solcher Exklusionstendenzen macht sich bis heute bemerkbar: So schwindet der zivilisierende Einfluss der Nationalstaaten, obwohl und weil die Ausdehnung des Rechts im Weltmaßstab voran schreitet. Es kommt zu Zerfallserscheinungen, zu ‚market embedded states‘ wie auch zu ‚religion embedded states‘. Trotzdem ist Hoffnung: Normen, wenn erst einmal etabliert und in Recht umgesetzt, können zurückschlagen.