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Saturday, May 19, 2012
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Die diskurstheoretische Sicht kooperativer Wirtschaftspolitik im Reframing-Modell
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Werner Ebert

Die diskurstheoretische Sicht kooperativer Wirtschaftspolitik im Reframing-Modell

38 pages · 7.50 EUR
(August 2001)

 
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Aus der Einleitung:

Ausgangspunkt der folgenden theoriegestützten Überlegungen ist der Negativbefund, daß die Neunziger Jahre in weiten Feldern der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik zunehmend von einem Blockadezustand geprägt waren. Das permanente Scheitern von Reformbestrebungen und der fehlende Konsens schon über die relevanten politischen Problemlagen begründen die Vermutung, daß das politische System in hohem Maße von politischen Kontroversen bestimmt wird, die in ihrem äußeren Erscheinungsbild, also von der Öffentlichkeit und zum Teil auch von den beteiligten Akteuren selbst als unlösbar angesehen werden. Wenn diese Kontroversen jedoch derart feste Strukturen aufweisen, dann wirft dies umgehend die Frage auf, ob (wissenschaftliche) Politikberatung überhaupt in der Lage ist, in solchen kontroversen wirtschaftspolitischen Situationen geeignete Hilfestellung zu geben.

Die statische Sichtweise der Neoklassik sowie der Neuen Politischen Ökonomie impliziert, daß Kontroversen bzw. politische Konflikte als ein Interessengleichgewicht (Nash-Gleichgewicht) der beteiligten Parteien zu modellieren sind, aus dem es ohne exogenen Impuls kein Entweichen gibt. Dieser Impuls beinhaltet eine komplette Veränderung der Strukturen. Erschwerend kommt in diesem Modell hinzu, daß keine externe Instanz existiert, die den Impuls geben könnte, da die zuständigen Akteure selbst im Spiel gefangen sind.

Demgegenüber legt die Evolutorik in ihrem paradigmatischen Kern eine Sichtweise nahe, die auch im (phänotypischen) Konfliktfall prinzipiell von einer inhärenten endogenen Dynamik ausgeht, welche ständig Neues und damit auch politische Lösungsangebote zu produzieren in der Lage ist. Auch hier wird jedoch die Möglichkeit struktureller Verfestigungen des Systems (Lock-In-Strukturen) gesehen.

Begreift man Politik als permanenten evolutorischen Prozeß, so lassen sich schon bei der Entstehung, Zulassung und Definition eines kontroversen Sachverhaltes Charakteristika identifizieren, die die Möglichkeit einer politisch nutzbaren Dynamik eröffnen. Die orthodoxe Ökonomik dagegen macht keine Angebote, die eine wirtschaftspolitische Behandlung schon der Problemstruktur erlauben. Ähnliches trifft für die Phase der Problementscheidung zu. Aus diesem Defizit speist sich die realistische Hoffnung, daß ein evolutorisches Verständnis von Wirtschaftspolitik hilft, über den Weg der Politikberatung auch kontroverse Problemlagen und wirtschaftspolitische Konfliktstrukturen aufzulösen und beobachtbare faktische Lösungen zu plausibilisieren.


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