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Friday, September 22, 2017
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Die ökonomische Theorie von Karl Marx

341 pages ·  29.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1216-2 (October 2016 )

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Georg Quaas hat an der Universität Leipzig studiert. Nach einem Diplom in Physik (1974) promovierte er über das Thema der Entwicklung des physikalischen Zeitbegriffs (1979) und habilitierte sich mit einer Arbeit über die dialektische Methode von Karl Marx (1986). Parallel dazu begann er in einer Reihe von Publikationen die Arbeitswerttheorie umfassend mathematisch darzustellen. Diese Forschung wurde 2001 mit einem Buch zur "Arbeitsquantentheorie" abgeschlossen - so glaubte er jedenfalls. Doch seine Tätigkeit als empirisch arbeitender Volkswirt überzeugte ihn davon, dass die moderne Ökonomik der Werttheorie sehr viel mehr verdankt als gemeinhin angenommen wird. In dem vorliegenden Buch fasst er in verständlicher Form alle werttheoretisch relevanten Aspekte der ökonomischen Theorie von Karl Marx zusammen und zeigt Schnittstellen zur modernen Ökonomik auf. Dadurch werden nicht nur neue Einsichten gewonnen, sondern auch Probleme deutlich, die nur durch weitere Forschung gelöst werden können - nicht etwa jenseits des Mainstreams, sondern inmitten der theoretischen Grundlagen moderner Ökonomik.

Die Arbeitswertlehre von Karl Marx führt den Wert auf die gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit zurück, die erforderlich ist, um Waren unter den gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen herzustellen. Doch dieser Wert muss, um den Warentausch zu ermöglichen, als Tauschwert dargestellt werden oder im Preis erscheinen. Damit kommt ein weiteres Verhältnis ins Spiel, das oftmals übersehen wird: Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Nach Marx modifiziert dieses Verhältnis die Erscheinung des Wertes im Preis. Als zusammenfassender Ausdruck wird hier der Begriff des auf dem Markt geltenden Werts einer Ware geprägt und dem Konzept einer monetären Werttheorie entgegengestellt. Eine textgetreue und mit den exakten Instrumenten der Mathematik versehene Rekonstruktion der ökonomischen Theorie von Karl Marx ermöglicht es, im "Kapital" eine Theorie der Entwicklung des Geldes und darüber hinaus einen klassischen Ansatz der Preistheorie zu identifizieren. Die Darstellung grundlegender Gesetze der Werttheorie erlaubt die Ableitung von Phänomenen der Konkurrenz, die in der modernen Ökonomik, aber auch bei Marx, einfach vorausgesetzt werden. Im kapitalistischen Produktionsprozess erfährt die Werttheorie eine Konkretisierung, indem nicht nur die Wertbildung, sondern auch die Wertübertragung berücksichtigt wird. Die verbreitete Auffassung, dass Dienstleistungen keine Werte erzeugen, sondern konsumieren, wird mit zahlreichen Argumenten widerlegt. Erst durch das Einbinden der Dienstleistungen in den Prozess der Wertschöpfung kann die werttheoretische Grundlage der modernen Input-Output-Analyse (IOA) sichtbar gemacht werden. Eine Anwendung der IOA auf die Schemata der einfachen und erweiterten Reproduktion erzeugt eine Reihe von neuen Einsichten und Problemen, die ohne einen entwickelten mathematischen Apparat offenbar nicht erkennbar sind. Abschließend wird gezeigt, dass Ontologie, Entwicklungstheorie und Mathematik flexibel zusammenwirken, um die Werttheorie auf einem zeitgemäßen Niveau darzustellen.

Berliner Debatte Initial 28 (2017), S. 170-173 ()

"Im Oktober 1867, also vor ziemlich genau einhundertfünfzighundertfünfzig Jahren, ist der erste Band von "Das Kapital. Kritik der politischen Ökonomie" im Verlag von Otto Meissner in Hamburg erschienen. An diese Veröffentlichung waren überaus große Erwartungen geknüpft, handelte es sich hierbei doch um das lange angekündigte und von vielen sehnsüchtig herbeigewünschte ökonomische Hauptwerk des bedeutendsten Theoretikers der sozialistischen Bewegung, Karl Marx. Entsprechend groß war die Enttäuschung, als sich herausstellte, dass es sich bei diesem Buch um ein wissenschaftliches Werk, um eine, wie Friedrich Engels schrieb, "gelehrte Abhandlung" in der Tradition von Adam Smith, David Ricardo, Robert Malthus und John Stuart Mill handelte und nicht um ein billiges Machwerk linker Agitation. ... Statt der erwarteten Propagandaschrift und kommunistischen Heilslehre lieferte Marx ein theoretisches Fundamentalwerk über Wert, Geld, Arbeit, Mehrwert, Kapital, Akkumulation, Produktion und Reproduktion, das ohne ökonomische Vorkenntnisse und ohne eine gewisse Erfahrung mit analytischer und dialektischer Methodologie kaum verstanden werden konnte. Wilhelm Liebknecht soll beim Durchblättern des Buches vor Wut und Enttäuschung in Tränen ausgebrochen sein. Noch nie hatte ein Buch ihn derart enttäuscht wie Marx' "Kapital". Andere Politiker reagierten ähnlich.

Der wahre Wert des Werkes als theoretischer Fundierung der Kapitalismuskritik und seine daraus resultierende politische Sprengkraft wurden erst nach und nach erkannt, zum Beispiel durch Karl Kautsky, W. I. Lenin, Rosa Luxemburg, Rudolf Hilferding, Georg Simmel und Joseph A. Schumpeter. Sie würdigten die Schrift vor allem wegen ihrer wissenschaftlichen Solidität, bestechenden Logik und theoretischen Tiefe als "ökonomischen Klassiker".

Es gab im 19. Jahrhundert nur wenige Werke der ökonomischen Theorie, die auch nur annähernd an das Niveau von Marx' "Kapital" heranreichten. Diese Einschätzung kann jedoch nicht ungeteilt auf das 20. Jahrhundert übertragen werden. Mit der Weiterentwicklung der ökonomischen Theorie und der Qualifizierung der hier zum Einsatz kommenden Methoden wurde zunehmend gerade diejenige Eigenschaft in Frage gestellt, die das "Kapital" gegenüber anderen Werken bisher auszeichnete, nämlich seine Wissenschaftlichkeit. Dass es dazu kam, hat etwas mit dem Einzug, um nicht zu sagen Siegeszug, der Mathematik in die Geistes- und Sozialwissenschaften zu tun. ...

Einer Mathematisierung und logisch einwandfreien, anhand mathematischer Falsifikationstechniken überprüfbaren Modellierung ökonomischer Gesetze und verbal formulierter Aussagen aber stand und steht bis heute fast die gesamte marxistische Schule ablehnend bis feindlich gegenüber. Dies hatte zur Folge, dass das Werk von Marx mehr und mehr aus der rezipierten ökonomischen Theorie, der Volkswirtschaftslehre oder Ökonomik, herausfiel und sein wissenschaftlicher Wert inhaltlich wie methodisch zunehmend in Frage gestellt wurde. So gibt es zum Beispiel im deutschen Sprachraum heute kaum noch ein Lehrbuch der Volkswirtschaftslehre, worin Marx' Theorie halbwegs angemessen behandelt wird bzw. worin diese wenigstens mehr als nur eine historisch-kritische Erwähnung findet. Dies kontrastiert freilich mit dem gerade zuletzt wieder deutlich angewachsenen Interesse an der Marx'schen Theorie.

Die Lösung für dieses Dilemma könnte darin bestehen, das ökonomische Werk von Karl Marx so aufzubereiten, dass es den gegenwärtig geltenden wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Das heißt, neben die verbale Darstellung der Theorie, wie sie im "Kapital" von Marx selbst und später dann von Engels vorgenommen wurde, sollte eine formale und logisch stringente mathematisierte Darstellung dieser Theorie gesetzt werden. Dies wäre allerdings keine leichte Übung, sondern eine überaus große Herausforderung. Nichtsdestotrotz hat sich der Leipziger Physiker, Philosoph und Ökonom Georg Quaas seit längerem dieser Aufgabe angenommen. Seit den 1980er-Jahren hat er eine Reihe von Arbeiten hierzu vorgelegt, deren vorläufige Krönung das hier besprochene Buch ist. Der Titel verspricht eine umfassende Darstellung der ökonomischen Theorie von Marx, tatsächlich aber konzentriert sich die Abhandlung auf Grundkategorien und Grundzusammenhänge, wie sie Marx vor allem im ersten Band des "Kapitals" vorgenommen hat, also auf Begriffe wie Gebrauchswert, Wert, Tauschwert, Preis, Produktion und Reproduktion und die darin zum Ausdruck kommenden und damit verbundenen ökonomischen Beziehungen. Das Ziel seiner Arbeit sieht der Autor darin, "eine den modernen Ansprüchen an eine ökonomische Theorie genügende, formal logisch einwandfreie Darstellung der Marx'schen Werttheorie" vorzunehmen.

Der Autor zeigt, was sich wie bei Marx mathematisch darstellen lässt. Er geht dabei über die von Marx selbst vorgenommenen Schritte mathematischer Modellierung und den Gebrauch einfacher Formeln ... weit hinaus. Da Marx "nicht gerade der geborene Mathematiker war" (310), beschränkte er sich in seinen Zahlenbeispielen auf einfache algebraische Zusammenhänge. Selbst vor 150 Jahren wäre hier schon ein qualifizierterer Einsatz mathematischer Methoden möglich gewesen, z.B. durch die Anwendung der Infinitesimalrechnung. Dass Georg Quaas dies jetzt "nachholt", ist unbedingt als verdienstvoll einzustufen. Marx selbst hat ja immer wieder betont, dass die Mathematisierung einer Disziplin ein Gradmesser für ihre Wissenschaftlichkeit sei. Dem wird nun damit entsprochen.



Junge Welt, 7. Agust 2917, S. 10 ()

"An Büchern zu Karl Marx' Lehre mangelt es im Jubiläumsjahr des Erscheinens des "Kapitals" wahrlich nicht. Doch Georg Quaas' Buch ist anders als die meisten Darstellungen. Denn der Leipziger Ökonom präsentiert in seinem Buch eine mathematische Version der Werttheorie des großen Meisters. ... Doch die Anwendung der Mathematik am ökonomischen Objekt kann, wie die Input-Output-Modelle Wassily Leontiefs (1905-1999) zeigen, auch hilfreich sein. Diese beruhen auf den berühmten Reproduktionsschemata, mit denen Marx notwendige Bedingungen des volkswirtschaftlichen Gleichgewichts begründet. Er sagt nicht, dass sich diese einstellen müssen. Quaas referiert sie und zeigt, wie das System aus dem Gleichgewicht gerät und sich Schwankungen der Produktion verstärken, wenn die Prämissen des Modells variiert werden. Ein Vorzug seines Buches: Die Modellierung der Werttheorie hält sich streng an den Text des "Kapital". Marx selbst legte Teile seiner Auffassungen in mathematischer Form dar. Das war möglich, weil viele Kategorien der politischen Ökonomie quantifizierbar sind. Quaas widerlegt die verbreitete These, dass der Wert nicht messbar sei. ...

Georg Quaas kritisiert Neo- und Pseudomarxisten, die das Werk von Karl Marx entstellen und sich gegen Kritik zu immunisieren versuchen, indem sie behaupten, man könne die Richtigkeit einer Deutung nicht durch einen Vergleich mit dem Text herausfinden. Für sie sei typisch, "bei jedem Konflikt mit dem Marxschen Text diesem irgendeine Ungenauigkeit zu unterstellen, ohne auf die Idee zu kommen, dass die eigne Interpretation fehlerhaft sein könnte." Ein empfehlenswertes Buch, auch für Nichtmathematiker!"

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the author
Doz. Dr. Georg Quaas
Georg Quaas Jahrgang 1951, ist Mitarbeiter am Institut für Empirische Wirtschaftsforschung der Universität Leipzig und nimmt dort die Aufgaben eines Dozenten wahr. Nach einem Diplom in Physik promovierte er zur Entwicklung des physikalischen Zeitbegriffes und habilitierte sich mit einer Arbeit über die dialektische Methode im Werk von Karl Marx. Er ist Gründungsmitglied des Forschungsseminars "Politik und Wirtschaft", das als Zero-Budget-Projekt (http://www.forschungsseminar.de) durch die freiwillige Mitarbeit vor allem von heranwachsenden Akademikern seit 2003 existiert. Kontakt: quaas@gmx.net [more titles]
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