Stefan Kesting
22 pages · 5.63 EUR
(October 2010)
Aus der Einleitung:
Wie kann Ideengeschichte als Forschungsmethode für die Wirtschaftswissenschaft fruchtbar gemacht werden? Was ist der Sinn und Zweck dieser Methode für die Weiterentwicklung der Ökonomik als Sozialwissenschaft? Anhand des Spätwerks von Albert O. Hirschman wird dieses Kapitel versuchen, auf diese Fragen Antworten zu finden. Hirschman hat diese Methode, die er selbst als: "history of the history of ideas" (2001) bezeichnet hat, verstärkt in seinen Büchern und Aufsätzen am Ende der 1970er Jahre angewendet, um neue theoretische Konzepte zu entwickeln. Abgesehen von Karl Polanyi und Amartya Sen, ist er wahrscheinlich der Ökonom des 20. und 21. Jahrhunderts, der diese Forschungsmethode am ausdrücklichsten und konsequentesten angewandt hat. Obwohl ideengeschichtliche Forschung ein wichtiges und sinnvolles Instrument zur Herausarbeitung und Weiterentwicklung von Theorie, Kategorien und philosophischen Grundlagen für die Wirtschaftswissenschaft ist, wird diese Vorgehensweise vom Mainstream weitgehend vernachlässigt und ihre Ergebnisse ignoriert. Dies behindert den Erkenntnisfortschritt, denn es verleitet dazu, ausgetretenen Pfaden zu folgen, die immer gleichen Annahmen (z. B. Profit- und Nutzenmaximierung, methodologischer Individualismus) und Methoden (deduktive Modellierung, Ökonometrie) anzuwenden, anstatt Methodenvielfalt und ausgewogenen theoretischen Wettstreit (qualitativ neben quantitativ, induktiv neben deduktiv usw.) ? wie in anderen Sozialwissenschaften üblich ? zu pflegen. Vielleicht kann eine klare und explizite Darstellung der Methode, wie sie von Hirschman angewandt wird, dabei helfen, diese Selbstbeschränkung zu überwinden und zu einer methodisch pluralistischeren Wirtschaftswissenschaft beitragen.