sprache deutsch
sprache english
» shopping cart
0 article(s) - 0.00 EUR


Sunday, December 17, 2017
 welcome page » policy  » development cooperation 
Ideologie, Doktrin und Pragmatismus in der Entwicklungspolitik
download size:
approx. 289 kb

Ideologie, Doktrin und Pragmatismus in der Entwicklungspolitik

19 pages · 3.25 EUR
(November 2014)

 
I agree with the terms and conditions, especially point 10 (only private use, no transmission to third party) and accept that my order cannot be revoked.
 
 

Aus der Einleitung:

Die Entwicklungspolitik der vergangenen drei Jahrzehnte war einseitig von der Vorstellung geprägt, die Liberalisierung von Güter-, Finanz- und Arbeitsmärkten auf nationaler und internationaler Ebene sei Garant für die Beschleunigung von Entwicklungsprozessen. Staatliche Eingriffe wurden hingegen als Ursache für effizienzhindernde "Marktverzerrungen" angesehen. Anstatt aufgrund der Erfahrung, dass die "marktfreundlichen" Entwicklungsstrategien nur in sehr wenigen Fällen zu einer Beschleunigung der wirtschaftlichen Entwicklung geführt haben, den eingeschlagenen Weg und die zugrunde liegende Doktrin auf ihre Brauchbarkeit hin kritisch zu überprüfen, wurde diese gegen Kritik immunisiert. Fehlentwicklungen wurden falschem staatlichem Handeln angelastet oder damit begründet, dass die Liberalisierung eben nicht konsequent genug durchgeführt wurde. Aber hier geht es um mehr als eindeutige ideologische Positionen in der Debatte um die relative Bedeutung von Markt und Staat, denn diese Doktrin bestimmt zum großen Teil auch die Gestaltung der Entwicklungspolitik durch Entscheidungsträger und Berater, die nicht unbedingt aus neoliberaler Überzeugung handeln oder argumentieren.

Die Argumente, die für ein Festhalten an der herrschenden Doktrin vorgebracht werden, haben aus entwicklungspolitischer Perspektive drei Schwachpunkte: Erstens wird mikroökonomisches Denken unter Missachtung kreislauftheoretischer Zusammenhänge einfach auf die gesamtwirtschaftliche Ebene übertragen und zur Grundlage entwicklungspolitischer Maßnahmen gemacht. Zweitens wird das Ziel einer Optimierung der Faktorallokation gegenüber dem der Stärkung der Kapitalakkumulation überbetont. Und drittens werden häufig Instrumente – wie etwa die Steigerung von Exporten oder Kapitalzuflüssen – mit den eigentlichen Zielen der Entwicklungspolitik verwechselt.

Im Folgenden soll die Problematik der weit verbreiteten Doktrin von der Effizienz des Marktmechanismus in zwei für die Entwicklungspolitik zentralen Bereichen näher betrachtet werden, zum einen der Politik zur Steigerung der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage und zum andern der Gestaltung des Finanzsystems. Beide sind für die Bildung und die Struktur von Produktivkapital von entscheidender Bedeutung, weil sie einerseits die Investitionsbereitschaft, andererseits die Möglichkeit der Finanzierung von Investitionen maßgeblich beeinflussen. Dabei soll versucht werden, aufzuzeigen, welche Einschränkungen mit der engen Festlegung auf bestimmte Doktrinen verbunden sind und welche entwicklungspolitischen Optionen sich bei einer mehr pragmatischen Herangehensweise bieten könnten. Eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt die Einsicht, dass weder der Arbeitsmarkt noch die Finanzmärkte den im simplen Marktmodell für Gütermärkte unterstellten Mechanismen entsprechend funktionieren.


quotable essay from ...
the author
Detlef J. Kotte

ist Berater der United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD) und Lehrbeauftragter an der Universität Genf und der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin. Bis 2011 war er in leitender Position im UNCTAD Sekretariat tätig, u.a. verantwortlich für den jährlichen Trade and Development Report.