Jörg Bibow
39 pages · 11.09 EUR
(February 2009)
Aus der Einleitung der Herausgeber:
Jörg Bibow versucht, die bestehenden globalen Zahlungsbilanzungleichgewichte im Lichte der einschlägigen Überlegungen von Keynes zu bewerten. Dafür stellt er zunächst die Pläne dar, die Keynes in den frühen 1940er Jahren für eine neue Weltwährungsordnung nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelt hat, und er erläutert, dass Keynes diese in Bretton Woods nicht durchsetzen konnte: Dort wurde keine internationale Währung wie der von Keynes vorgeschlagene „Bancor“ geschaffen, sondern ein Devisen-Standard, in dem die Funktion der Leitwährung dem Dollar zufiel. Auch wurde kein Sanktionsmechanismus für dauerhafte Leistungsbilanzüberschüsse, den Keynes gefordert hatte, vereinbart, sodass deflationären Tendenzen – defizitäre Länder werden durchaus sanktioniert – an dieser Stelle kein Riegel vorgeschoben wurde. Diese problematische Tendenz hätte besonders in den letzten 10-20 Jahren eine bedenklich große Rolle spielen können, als die Leistungsbilanzüberschüsse alter Industrienationen wie Deutschland und Japan und heranwachsender Schwellenländer wie China und Indien ein immer größeres Ausmaß annahmen. Jedoch waren zum Ausgleich die USA bereit, immer größere Leistungsbilanzdefizite hinzunehmen, deren Grundlage die hohe und zunehmende Verschuldungsbereitschaft der US-amerikanischen privaten Haushalte bildet. Insofern lässt sich – so urteilt Bibow – im Verhalten der USA „eine gewisse systemgerechte Logik ausmachen“. Dies besagt allerdings wenig darüber aus, wie dauerhaft diese weltwirtschaftliche Konstellation sein kann. In diesem Zusammenhang kritisiert Bibow vehement die z.B. von Ben Bernanke vertretene „saving glut“-Hypothese; denn diese geht von der nichtkeynesianischen Vorstellung aus, dass die Ersparnis zuerst vorhanden ist und Investitionsmöglichkeiten sucht. Für Keynesianer dagegen entsteht die Ersparnis im Zuge des von Investitionen und Konsum getragenen Einkommensbildungsprozesses.