Description
Während in Politikwissenschaft und Soziologie
die Erforschung von Machtverhältnissen,
Konfliktzuständen und Gewaltausübung lange
und fachimmanente Traditionen besitzt,
beschäftigen sich Ökonomen schwerpunktmäßig
mit friedlichem Tausch und Handel.
Der vorliegende Band vereinigt Beiträge aus
den angesprochenen Disziplinen und präsentiert
dabei auch die in den letzten Jahren weiterentwickelte
Konfliktökonomik, die wie die
anderen Disziplinen nicht zuletzt den individuellen
und politökonomischen Trade-off
zwischen friedlichen und konfliktmäßigen
Aktivitäten zum Gegenstand hat. Gewaltbereitschaft
und Machtstreben in unterschiedlichen
Problemzusammenhängen münden
letztlich in der Frage, ob und wann sich Konflikte
lohnen.
Institutionelle Probleme wie Bedingungen
(in)stabiler Anarchie und daraus sich entwickelnder
gesellschaftlicher Organisationsformen
mit deren Machtverhältnissen, die
nach dem "Elften September" einsetzende
Imperialismuskritik an westlicher Terrorismusbekämpfung
werden in den verschiedenen
Beiträgen verknüpft mit grundlegenden
Argumenten zum Ressourceneinsatz
in Konflikten, den Wirkungen feindseliger
Einstellungen, der Herausbildung organisierter
Gewaltstrategien, dem ökonomischen Zusammenhang
zwischen wirtschaftlicher Prosperität
und kriegerischer Aktivitäten sowie
dem sich jeweils ergebenden Potential für
Konfliktvermeidungsstrategien. Die Beiträge
öffnen den Blick auf eine interdisziplinäre
Herangehensweise der Analyse von Konflikt,
Macht und Gewalt.
Inhalt
- Einleitung
- K. J. Bernhard Neumärker
Es wird nicht nur getauscht in der politischen Ökonomie
- Gerald PechDer Status quo als Maßstab der Konfliktlösung
- K. J. Bernhard Neumärker
Mißgunst, Neid und Feindseligkeit: negative soziale Präferenzen aus konfliktökonomischer Sicht
- Stefan Boeters und Bettina Müller
Stabile und instabile Anarchien. Strategienevolution in einem Spiel mit dynamischer Ressourcenanpassun
- Petya Dankova
Publikums-Aktiengesellschaften: Eigentumsstruktur und korporative Verantwortung
- Detlev Haude
The Force of Economics - The Economics of Force. A revival of theories of imperialism?
- Marcel M. Baumann
"Wenn die Fische immer noch ihr Wasser suchen". Die Auswirkungen des Elften Septembers auf den herkömmlichen Terrorismus
- Gerald Schneider
Globalisierung und Frieden. Die Perspektive der Politischen Ökonomie
- Peter J. Stauvermann
Kriege und wirtschaftliches Wachstum. Eine theoretische Analyse.
- Zusammenfassungen
- Über die Autoren
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Konflikt, Macht und Gewalt sind keine klassischen Forschungsschwerpunkte der Ökonomie. Dass sich mit der ökonomischen Methode nicht nur friedlicher Handel analysieren lässt, zeigt aber die Konfliktökonomik. Einige Beiträge dieser sich weiterentwickelnden ökonomischen Disziplin sind in diesem Sammelband vertreten. Stefan Boeters und Bettina Müller, K.J. Bernhard Neumärker sowie Peter J. Stauvermann beschreiben und entwickeln Konfliktmodelle, die insbesondere auf den Arbeiten von Jack Hirshleifer aufbauen und Gleichgewichtspunkte in Konfliktsituationen identifizieren. Wie sich diese modelltheoretische, ökonomische Herangehensweise von der politikwissenschaftlichen und soziologischen Konfliktforschung unterscheidet, wird in den Beiträgen deutlich. Marcel M. Baumann erkennt in seiner soziologischen Betrachtung der Auswirkungen des 11. Septembers 2001 auf den herkömmlichen Terrorismus, dass der Rechtfertigungsdruck auf die ETA und die IRA gestiegen ist. Gerald Schneider setzt sich kritisch mit der These auseinander, inwieweit globaler Freihandel Frieden schafft. Die Beiträge stammen nicht nur aus verschiedenen Disziplinen, sie setzen auch auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen bei unterschiedlichen Fragestellungen an. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Hinweise darauf geben, wie sich Konflikt und Gewalt vermeiden lassen könnten.