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Saturday, April 29, 2017
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Nachhaltiges Wirtschaften jenseits von Innovationsorientierung und Wachstum

Eine unternehmensbezogene Transformationstheorie

"Theorie der Unternehmung"  · volume 32

2. überarbeitete Auflage 2011 · 496 pages ·  28.00 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-89518-893-0 (December 2011 )

Diese Arbeit wurde im Mai 2006 mit dem mit 5.000 Euro dotierten Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie ausgezeichnet.

 
 

Nachhaltiges Wirtschaften wird zumeist unter zwei Prämissen diskutiert, die sich bei näherer Betrachtung als nicht haltbar erweisen: Zum einen ließe sich permanentes Wirtschaftswachstum, so die verbreitete Meinung, mit einem hinreichenden Schutz der ökologischen Lebensgrundlagen vereinbaren, wenn Konzepte einer Dematerialisierung (Effizienz) oder Ökologisierung (Konsistenz) stärker zur Anwendung kämen. Zum zweiten sei nachhaltige Entwicklung eine Frage der "richtigen" und tiefgreifenden Innovationen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den hieraus folgenden Widersprüchen und zieht Konsequenzen, die in ein mehrstufiges Transformationsschema einmünden. Das resultierende Programm trägt einer kritischen Auseinandersetzung mit dem dominanten Wachstums- und Innovationsparadigma Rechnung. Die Ausfächerung seiner Konkretisierungsschritte reicht daher von einer Thematisierung des Spannungsfeldes zwischen Wandel und Bewahrung über den Aufbau nachhaltigkeitsorientierter Umgestaltungsprozesse bis hin zur Bestimmung konkreter Maßnahmen und Objekte. Für den möglichen Strukturwandel sind dabei die Dimension der Technik, der Nutzungssysteme und der Kultur relevant. Letztere wird als jene Sphäre verstanden, in der sich Bedürfnisse zu Konsumansprüchen ausformen. Ein Blick auf die Praxis nährt den Befund, dass unternehmerische Nachhaltigkeit vorwiegend mit technischem Wandel sowie ansatzweise mit Dienstleistungsinnovationen, die im Kontext effizienter Nutzungssysteme stehen, assoziiert wird. Solange jedoch die Rolle des Konsumverhaltens, insbesondere das Suffizienzprinzip, vernachlässigt wird, stößt die Wirksamkeit derartiger Ansätze auf Grenzen, die es mittels veränderter Managementausrichtungen zu durchbrechen gilt. Dazu zählt die Generierung von Lösungen, die einen Wandel vorherrschender Konsummuster - sowohl in qualitativer als auch quantitativer Hinsicht - begünstigen.

Wie können Unternehmen einer derartigen kulturellen Herausforderung begegnen? Dieser Komplex wird theoretisch sowie auf Basis eines konkreten Anwendungsfalls, nämlich dem Internethandel mit gebrauchten Konsumgütern, bearbeitet. Basierend auf den wichtigsten Resultaten werden Leitlinien für die Gestaltung, das Management und das Design unternehmerischer Suchprozesse entwickelt. Zudem wird begründet, dass die "Innovation" nur als einer von mehreren Modi der Umgestaltung in Betracht zu ziehen ist. Erst eine zweckmäßige Koppelung mit anderen Veränderungsprinzipien wie Renovation, Exnovation und Imitation führt zur Herausbildung wirkungsvoller Nachhaltigkeitsstrategien.

Rundbrief Christen für gerechte Wirtschaftsordnung, Dez. 2006 ()

Habilitationsschriften als Ergebnis vieljähriger Denk- und Forschungsarbeit auf einem speziellen Wissenschaftsgebiet sind für Laien zumeist unzugänglich; nicht so die angezeigte Arbeit des Ökonomen Niko Paech. Wen die Frage umtreibt, wie Wirtschaft nachhaltig werden kann, findet in diesem Buch eine theoretisch fundierte und dennoch allgemeinverständliche mikroökonomische Anleitung. Es ist die unverzichtbare betriebswirtschaftliche Ergänzung zu unseren makroökonomischen Überlegungen, wie Wirtschaft von ihrem zerstörerischen Wachstumszwang befreit werden kann.

Was dazu im Geldwesen verändert werden kann und muss, streift Paech nur (S. 68 ff.). Denn sein Blick richtet sich auf die Produktion, auf Unternehmen, Dienstleistungen und Konsum und trifft dabei wiederholt auf Tauschringe, Komplementärwährungen und andere regionalökonomische Ansätze. Aus wechselseitiger Wertschätzung war der Autor bereits Referent bei der Sozialwissenschaftlichen Gesellschaft und unterstützte die Übersiedlung des Freiwirtschaftlichen Archivs von Werner Onken an die Carl-von-Ossietzky- Universitätsbibliothek Oldenburg. Denn die Suchrichtung ist dieselbe. Aus der Erkenntnis, dass grenzenloses materielles Wachstum auf der Erde unmöglich und "qualitatives Wachstum" letztlich eine Schimäre bleibt, gilt es andere Wohlfahrtsmodelle zu entwickeln. Dafür reicht, so Paech, der "technische Weg" mit Dematerialisierung und Ökologisierung durch Effizienz, Konsistenz, Vermeidung und Risikominderung nicht aus. Hinzu kommen müsse der "kulturelle Weg" mit Milderung von Wachstumszwängen durch Umverteilung, Suffizienz und Veränderung von Bedarfen. Innovation müsse ergänzt werden durch Exnovation, Imitation und Renovation.

An Beispielen macht Paech diese Umorientierung deutlich: Eigentumslose Konsumformen durch Leihen, Nutzen und Service-Kauf sowie E-Bay-Handel von Gebrauchtwaren. Für nachhaltige Produktionsplanung in Unternehmen bietet das Buch ein wertvolles Instrumentarium. Für Studierende der Betriebswirtschaft sollte es Pflichtlektüre werden, zumal es einen vorzüglichen Überblick über die kaum noch überschaubare (und auf 23 Seiten aufgeführte) Literatur bietet.



Wirtschaft und Gesellschaft 2006, Heft 3 ()

"In seiner Habilitationsschrift hält N. Paech mit einer klaren Positionierung nicht hinter dem Berg: Es gehe nicht um ein Besser oder Anders, sondern um ein Weniger, um eine Wirtschaft jenseits des Wachstums. Der Planet leide unter materieller Überfüllung, unter einem ständigen Expansionsdrang des Güterraumes, entscheidend sei eine absolute Reduktion von Ressourcen und Energien. Aus Raumgründen kann hier nur zwei seiner Überlegungen nachgegangen werden. Zunächst sei seine Problemverortung hervorgehoben. Es stellt sich "unter Wachstumsbedingungen die Frage, wie nachhaltige Innovationen Schäden neutralisieren können, die durch eine unkontrollierbare Lawine neuer Produkte und Leistungen entstehen. Die permanente Neuschöpfung von Bedarfen und Nachfragemustern entzieht sich jeder Prognose, denn das Hervorbringen von Überraschungen ist ein Wesenszug dynamischer Marktsysteme. Erst im Nachhinein, wenn neue Konsumobjekte bereits eine vollendete Tatsache des Marktgeschehens sind, wird die Notwendigkeit, den damit geschaffenen Ursachen für zusätzliche Ressourcenverbräuche mit Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu begegnen, überhaupt wahrnehmbar" (S. 24 25).

Von privatwirtschaftlich initiierten Nachhaltigkeitsstrategien sei nur bedingt etwas zu erwarten, da ein Anbieter, der versuchte, die auf seine Produktion entfallende Nachfrage zu beschränken, schnell von der Bildfläche verschwunden wäre. Paech schlägt eine Vielzahl von Maßnahmen vor, hier soll nur auf seine Unterscheidung der drei Ebenen der Technik (ein bestimmtes Auto), der Nutzungssysteme (Autobahn) und der Kultur, bei der es um die Entstehung, Ausformung und das rechte Maß von Bedarfen geht (Ziele und grundsätzliche Formen der Mobilität, Autos als Statussymbole usw.), hingewiesen werden. Diese sehr trivial klingende Dreiteilung wird von Paech an vielen Beispielen fruchtbar gemacht und gezeigt, dass nur durch einen grundlegenden Paradigmenwechsel auf der Ebene der kulturellen Dimension, die bei Common und Stagl fehlt, der Kollapss der menschlichen Weltgesellschaft verhindert werden kann, da keine technisch noch so effizienten Lösungen die Folgen einer grenzenlosen Expansion von Bedarfen auffangen kann.

Die höchst naturalistischen Bedingungen des Überlebens der Spezies Mensch und des Planeten Erde in seiner uns bekannten Form entscheiden sich somit in der Sphäre der Kultur. Bei Paech bleibt offen, ob die von ihm für notwendig gehaltenen Veränderungen im Rahmen einer globalen Marktökonomie ohne Systemwechsel möglich wären.



Zeitschrift für Sozialökonomie, Sept. 2006, S. 42-43 ()

"Niko Paech hat für sein Buch zu Recht den "Kapp-Forschungspreis für Ökologische Ökonomie" erhalten. Mit seltener Klarheit zeigt er Widersprüche und Defizite im Nachhaltigkeitsdiskurs auf und scheut sich nicht, sich der herrschenden Verabsolutierung von Wachstum und Fortschritt als Allheilmittel entgegenzustellen. Bemerkenswert ist die Offenheit, mit der Paech selbst Aspekte anspricht, die von der Mehrheit seiner Kollegen gemieden oder gar belächelt werden. So wird beispielsweise die kritische Rolle, die das Geld- und Zinssystem bei der Generierung nicht-nachhaltiger Wachstumszwänge einnimmt, von ihm erwähnt, wenn auch nicht vertieft. Ebenso wird auch ungewöhnlichen Lösungsvorschlägen, z.B. Subsistenzorientierung und Komplementärwährungen Relevanz zugebilligt." ...

factorY. Magazin für nachhaltiges Wirtschaften 3/2006, S. 32 ()

Alle unter dem Begriff der Innovation gefassten Vorstellungen greifen nach Auffassung von Niko Paech zu kurz. In seinem Buch trägt er eine Vielzahl weiterer Argumente zusammen, die seine These stützen, dass es keinen Weg zur Nachhaltigkeit gibt, der auf Wirtschaftswachstum (auch kein "qualitatives Wachstum") setzt oder daran festhält. Er wendet sich gegen das "undifferenzierte Festhalten am Wachtumsdogma, an Produkt- und Technikinnovationen sowie schließlich am Innovationsprinzip selbst". Damit sei jedoch nicht "die utopische Forderung nach Nullwachstum" gemeint und eine generelle Ablehnung technischer Innovation liegt ihm auch fern. Seine Lösungsvorschläge legen Wert auf die Einbeziehung des Suffizienzprinzips, kulturelle Gesichtspunkte und andere Veränderungsprinzipien als die Innovation, nämlich Renovation, Exnovation und Imitation. Ein wichtiges Handlungsfeld für eine Nachhaltigkeitsstrategie sieht er im nachhaltigen Konsum. Statt auf Leasing oder Mietkonzepte müssten sich entsprechende Ansätze jedoch am Eigentum des Konsumenten an "seinem" Produkt orientieren und eine längere Produktnutzung ermöglichen. Eine wichtige Funktion misst Paech dabei Internetmärkten, wie eBay zu. Wer sich von Sprachungeheuern wie "eine Kultur des nachhaltigkeitsverträglichen Ausmaßes konsumtiver Ziele" nicht abschrecken lässt, findet in Paechs Buch, das eine überarbeitete Fassung seiner Habilitation ist, eine umfassende kritische Auseinandersetzung mit den gängigen Nachhaltigkeitstheorien mit interessanten Entwicklungsperpektiven.

Am 27.06.2012 führte Volker Petersen ein Interview für n-tv.
Europa zittert vor der Rezession, jedes Prozent Wirtschaftswachstum wird begeistert begrüßt. Dass die Wirtschaft wächst, scheint der alternativlose Weg aus der Krise zu sein. Ein Oldenburger Ökonom sieht das anders. Er sagt, dass Wirtschaftswachstum nicht die Lösung des Problems, sondern das Problem selbst ist. Nur ein Schrumpfen der Wirtschaft verhindere die Katastrophe.
Lesen Sie hier das von n-tv geführte Interview.

Am 19.06.2011 führte Tobias Nagorny im Nordwest Radio ein Interview mit Niko Paech.
Der derzeitige Energieverbrauch sei allein mit regenerativen Energiequellen nicht zu bewerkstelligen. Es sei denn, die Landschaft würde mit Windrädern oder Solaranlagen verbaut. Aber wer möchte das schon? Daher muss man sich vermehrt mit der Einsparung von Energie befassen um die Versorgung sicher zu stellen.
Das Interview können Sie sich hier anhören.

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apl. Prof. Dr. Niko Paech
Niko Paech Institut für Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftspädagogik, Lehrstuhl Produktion und Umwelt, an der Universität Oldenburg. [more titles]
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  • RKW-Bücherdienst 1-2006, S. 5
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