Wolfgang Graf Vitzthum
25 pages · 6.65 EUR
(December 2008)
Aus der Einleitung:
Der am 29. August 1891 im preußischen Halle/Saale als Sohn des Geheimen Justizrates Dr. theol. h.c. Curt Elze geborene Walter Elze lebte nach Ende des Zweiten Weltkrieges, aus Berlin geflohen, mit seiner Frau Birgitta, geb. Stieve (1916-1992) und der gemeinsamen Tochter Maria Theresia (geb. 1940) zunächst in Freiburg i.Br., dann in Freudenstadt. In den 1950er Jahren nahm er dann seinen Alterssitz in Freiburg i.Br., wo er am 19. Juni 1979 im Alter von 87 Jahren verstarb. Elze war einer der akademischen Lehrer meiner Mutter Ursula von Gersdorff, verw. Gräfin Vitzthum, geb. Waetzoldt. Mit ihrem Vater Wilhelm Waetzoldt, dem Kunsthistoriker, Geheimen Oberregierungsrat im Preußischen Kulturministerium und Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, hatte sie als Primanerin im Mai 1928 Elzes Berliner Antrittsvorlesung über Schlieffen erlebt. Fasziniert von diesem ins Wirkende zielenden Geschichtsverständnis entschied sie sich für die Kriegsgeschichte als Studienschwerpunkt. „Preußische Offiziere im geistigen Leben des 18. Jahrhunderts“ (Halle 1937) war dann der Titel ihrer Göttinger Dissertation.
Als das dem Bundesministerium der Verteidigung unterstellte Militärgeschichtliche Forschungsamt Ende der 1950er Jahre nach Freiburg verlegt wurde, zog auch dessen Schriftleiterin, meine Mutter, mit ihrer Familie dorthin. So wurde ich noch während meines Wehrdienstes, im Juni 1960, Elze vorgestellt. Der mittelgroße, durch Festigkeit, Geistigkeit und Charme beeindruckende Siebzigjährige begann ein freundlich-ernstes Gespräch über Geschichte und Dichtung. Meine Unbildung überraschte ihn offenbar, ebenso mein zeittypisches Moralisieren sowie mein „amerikanischer“ Fortschrittsoptimismus. Gegen Letzteren führte er später Friedrich Wagners kritische Werke – „Die Wissenschaft und die gefährdete Welt“ (1964) und „Menschenzüchtung“ (1969) – ins Feld. Andererseits muss ich Elze bei jener ersten Begegnung nicht gänzlich hoffnungslos erschienen sein. So kam es, dass ich bis in die 1970er Jahre, soweit in Freiburg, einmal monatlich in die Fuchsstrasse 16 im bürgerlichen Stadtteil Wiehre radelte, zu einem jeweils gut einstündigen Privatissimum über deutsche und europäische Geschichte, über Dichtung, Dichter und Freundschaft, letztlich also über das rechte Leben.