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Friday, April 20, 2018
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Staatsfinanzierung durch Notenbanken!

Theoretische Grundlagen, historische Beispiele und aktuelle Konzeptionen einer großen Steuerungschance

140 pages ·  19.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1261-2 (February 2018 )

 
 

Die Notenbanken der großen Industrieländer haben auf die Finanzkrise mit einer extrem expansiven Geldpolitik reagiert. Für viele Beobachter unbekannt war und ist die rigorose Niedrigzinspolitik. Aber auch die theoretischen und konzeptionellen Debatten haben sich auf neues Terrain begeben. Insbesondere die umfangreichen Aufkäufe von Staatsanleihen, einem zentralem Instrument der neuen Geldpolitik, haben eine höchst vielfältige und kontroverse Debatte ausgelöst. Wolfgang Krumbein argumentiert in diesem Buch, dass diese Debatten trotz aller Neuerungen noch nicht die ganze Tragweite dessen erfasst haben, was sich an möglichen Folgerungen in geldpolitischer Theorie und Praxis ergeben könnte; dies gilt insbesondere in Bezug auf Weiterungen im Gefolge der jetzt schon partiell betriebenen Staatsfinanzierung.

In einem ersten geldtheoretischen Teil kritisiert Krumbein sowohl den neoklassisch ausgerichteten Mainstream als auch viele linke Auffassungen. Hier wird dem Geld eine nur sekundäre Rolle im Wirtschaftsprozess zugeschrieben, was daran hindert, die ganze Bandbreite der mit 'dem Geld' als Handlungsinstrument zusammenhängenden Steuerungsmöglichkeiten zu erfassen.

In einem historischen Teil zeigt der Autor auf, dass Kanada, Japan und Deutschland schon in früheren Jahrzehnten erfolgreich eine pragmatische Geldpolitik betrieben und dabei bewusst auch öffentliche Haushalte finanziert haben. Diese durch ideologische Vorurteile weit weniger als heute behinderte Geldpolitik ist heute völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten.

In den Schlussabschnitten geht es Krumbein darum, die verschiedenen Varianten der heutigen Debatte um eine evtl. Finanzierung von Staatshaushalten durch Notenbanken aufzuarbeiten und weiterzuentwickeln. Der Autor entwickelt konkrete Vorschläge zu möglichen Umfängen und Verfahrensregeln einer Staatsfinanzierung durch Notenbanken.

Makroskop; ()

"Diesem Buch sind schon einmal deshalb viele Leser zu wünschen, da trotz der massiven Käufe von Staatsanleihen durch Zentralbanken überall auf der Welt, wie Krumbein schreibt, "die wenigen Befürworter [...] insbesondere in Deutschland" in einer "ausgesprochen schlechten Position" sind, da man sich "nicht nur im Gegensatz zur breiten öffentlichen Meinung" befindet, sondern auch "im gewerkschaftlichen und linken Lager kaum Unterstützung" findet.

Krumbein formulierte diese Zitate allerdings im Präteritum. Während es sicher leichter geworden ist, über das Thema "monetäre Staatsfinanzierung" zu reden, gilt es jedoch weiterhin einen Zustand zu beklagen, den Krumbein wie folgt beschreibt:

"Ihre Gegner hatten sich eine rundum gut abgesicherte Position verschafft: Vielfältige institutionelle Regelungen untersagen sie formell, öffentliche und wissenschaftliche Debatten darüber fanden kaum statt, politische Kräfte befassten sich nicht mit dieser verpönten Form der Haushaltsfinanzierung."

In seinem Buch finden sich viele gute Argumente, die es erlauben, diese leider noch immer vorherrschende Position begründet infrage zu stellen. Da er sich auch mit den Hintergründen dieser Position beschäftigt, regt die Lektüre seines Buches möglicherweise auch denjenigen "Linken" zum Nachdenken an, die die Politik der EZB massiv kritisieren und die Klage der Fraktion der Partei "Die Linke" vorm Bundesverfassungsgericht gegen das OMT-Ankaufprogramm durch die EZB noch immer für richtig halten. Möglicherweise lässt sie die Lektüre des Buches erkennen, dass sie der neoklassischen Mär von der Neutralität des Geldes aufgesessen sind und sich damit, wie der explizit von Krumbein kritisierte Joachim Bischoff, ins "analytische Niemandsland" manövriert haben?

Das Buch kann aber auch denjenigen zur Lektüre empfohlen werden, die bereits erkannt haben, dass Geld und Kredit ein bedeutsames Steuerungsmittel in den Händen eines am Gemeinwohlinteresse orientierten Staates ist. Interessant sind insbesondere die von ihm diskutierten historischen Beispiele einer Staatsfinanzierung in Kanada und Japan in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts, deren Folgen er für Japan wie folgt resümiert:

"Japan konnte bei geringen Inflationsraten in den Jahren von 1932 bis 1936 eine durchschnittliche Wachstumsrate des BIP von 6,1 % aufweisen".




the author
Prof. Dr. Wolfgang Krumbein
Wolfgang Krumbein Professor für Politikwissenschaft, Universität Göttingen. Direktor des Instituts für Regionalforschung e.V. an der Universität Göttingen. Arbeitsschwerpunkte: Regionalentwicklung, Staatstheorie, Standortdebatten. [more titles]
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