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Monday, May 21, 2018
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Wachstum oder Niedergang: ein Grundgesetz der Geschichte?
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Wachstum oder Niedergang: ein Grundgesetz der Geschichte?

13 pages · 2.59 EUR
(August 2010)

 
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Aus dem Ausblick:

Schon Ludwig Erhard erkannte, dass es für die Menschen am besten wäre, wenn das Wachstum der Güterproduktion künftig durch andere Arten des Wachstums ersetzt würde. In Wohlstand für alle schreibt er: "Wir werden sogar mit Sicherheit dahin gelangen, dass zu Recht die Frage gestellt wird, ob es noch immer nützlich und richtig ist, mehr Güter, mehr materiellen Wohlstand zu erzeugen, oder ob es nicht sinnvoller ist, unter Verzichtleistung auf diesen 'Fortschritt' mehr Freizeit, mehr Besinnung, mehr Muße und mehr Erholung zu gewinnen." Eine derartige Umsteuerung des Wachstums auf immaterielle Werte werde eine "Korrektur der Wirtschaftspolitik" (kursiv im Original) erfordern. Keiner solle dann so dogmatisch verbohrt sein, "allein in der fortdauernden Expansion, d. h. im Materiellen, noch länger das Heil erblicken zu wollen." (Erhard 1957/1964, 232). Aber in den 1960er Jahren, als I Can Get No Satisfaction ein Kultsong war, waren das unzeitgemäße Betrachtungen, und Erhards Aufrufe zum Maßhalten wurden in den Medien und Kabaretts mit brüllender Heiterkeit quittiert. Auch Versuche der Weiterentwicklung zur ökologisch-sozialen Marktwirtschaft sind bislang stecken geblieben. Carl Friedrich von Weizsäcker bekannte sich 1977 zu der Überzeugung: "Wir wären alle glücklicher", wenn wir unsere Kultur so verändern würden, dass "wir mit weniger Energie auskommen würden." Dann setzte er jedoch hinzu: "Aber wir werden es nicht tun; denn wir wollen unglücklich sein!" (58. Bergedorfer Gesprächskreis 1977, 51). Gewiss war das als Provokation gemeint! In einer Zeit, da die globale Umweltpolitik stockt, ist es nützlich, sich an die historische Erfahrung zu erinnern, dass Neues oft durch vorpreschende Pionierregionen entsteht. Nicht abstrakte Beschlüsse, sondern anschauliche Modellregionen machen Neues attraktiv und vertrauenerweckend. Bei der Umstellung auf erneuerbare Energien gibt es ohnehin keine globalen Patentrezepte, sondern nur regional angepasste Lösungen. Vielleicht tut es gut, nicht zu gebannt auf Gipfelkonferenzen zu starren: Einiges spricht dafür, dass die ostwachstumsgesellschaft aus kleinen Welten heraus wachsen wird.


quotable essay from ...
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the author
Prof. Dr. Joachim Radkau
Joachim Radkau

geb. 1943, Professor an der Fakultät für Geschichtswissenschaft der Universität Bielefeld (seit 1980). Studium an den Universitäten Münster, Berlin (FU) und Hamburg, Promotion in Hamburg. Ab 1971 Assistent, ab 1974 Dozent an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe. Arbeitet heute vor allem zur Umwelt- und Technikgeschichte.