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Wednesday, May 23, 2012
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Wilhelm Röpke und die Europäische Integration
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Tim Petersen und Michael Wohlgemuth

Wilhelm Röpke und die Europäische Integration

36 pages · 8.34 EUR
(June 2010)

 
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Aus der Einleitung:

Wie wohl kein anderer Ökonom hat Wilhelm Röpke (1899-1966) mit sich und vielen anderen um Europa gerungen – um dessen kulturelle Identität, um dessen demokratisch (dezentral) verantwortbare und ökonomisch (global) fruchtbare Integration und um seine eigene Position zu all den Wirrnissen der Anfänge europäischer Nachkriegspolitik. Wir können wegen der überaus komplexen Gemengelage aus Biographie, Zeitgeschichte und sozialwissenschaftlichem Werk nur ein schemenhaftes Bild der Persönlichkeit Wilhelm Röpkes zeichnen. Die Beschäftigung gerade mit Röpke ist jedoch nicht nur von ideengeschichtlich-archivarischem Interesse. Sie hat auch ihren Wert für heutige Zeitgenossen, denen die civitas humana, die von der Ökonomie früher viel stärker beleuchtet wurde, noch etwas bedeutet.

Die Geschichte der Europäischen Integration wird heute üblicherweise als eine Geschichte entscheidender europäischer Verträge, gelegentlich wichtiger europäischer Gerichtsurteile und Kommissionsentscheidungen, oder selten als eine bedeutender europäischer Wahlen erzählt. Ökonomen liefern hierzu heute oft nur noch sehr spezifische Daten und sehr allgemeine Theorien. „Ideen“ sind etwas anderes als Verträge, Urteile, Daten oder Theorien. Sie berücksichtigen all dies (was ist und theoretisch sein könnte), haben aber zudem eine normative Dimension. Sie sagen auch, was sein soll. Ideen sind Überzeugungen, die von Daten und Modellen unterstützt und notfalls korrigiert werden müssen, aber nicht ersetzt werden können. Wilhelm Röpke war ganz in diesem Sinne ein Überzeugungstäter – als kulturell geprägter Europäer ebenso wie als rational denkender Ökonom. Er versuchte, wie kaum ein anderer, beides zu vereinen – noch dazu als gleichermaßen konservativer Sozialromantiker und neoliberaler Ökonom.

Röpke war beides: ein guter Europäer und ein guter Ökonom. Das ist unsere These – oder Überzeugung. Sie ist insoweit vielleicht etwas provokant. Röpkes Ansichten zu Europa sind damals von der Politik nicht übernommen worden. Seine wirtschaftstheoretischen Veröffentlichungen werden heute vom wissenschaftlichen mainstream nicht mehr anerkannt. Umso reizvoller erscheint es uns, sich mit Röpke zu beschäftigen. Unser Beitrag gliedert sich wie folgt: Zunächst wollen wir grob fünf Grundprinzipien oder Überzeugungen Röpkes darstellen, die seine generelle Haltung gegenüber möglichen Plänen europäischer Integration stets geprägt haben. In einem nächsten Teil versuchen wir, chronologisch die jeweiligen Reaktionen Röpkes auf die tatsächlichen Planungen und Festlegungen europäischer Integrationsschritte kurz zu dokumentieren. Und schließlich wollen wir Überlegungen darüber anstellen, wie Röpke wohl auf die Entwicklung reagiert hätte, die die EU nach seinem Tod (1966) genommen hat. Dieser letzte Teil ist notwendigerweise spekulativ und gibt eher unsere Interpretation der Dinge unter Rekurs auf Röpkes eigene Maßstäbe wieder. Unsere These hierzu ist: Der Prozess europäischer Integration erscheint heute, wie wir noch zeigen wollen, als ebenso ambivalent wie zu Röpkes Zeiten. Einerseits hat Röpke genau vor dem gewarnt, was einen liberal-konservativen Beobachter noch heute alarmieren müsste. Andererseits kommt die Gegenwart aber auch seinem Ideal internationaler Ordnung näher, als er selbst zu hoffen gewagt hat. Dies sind schon zwei gute Gründe, sich auch und gerade heute mit Röpkes Ideen zu beschäftigen.


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