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Sonntag, 18. November 2018
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Die Apokalypse denken, um den Ernstfall zu verhindern

Unheilsprophetie von Spengler bis Sloterdijk

239 pages ·  24.80 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1300-8 (August 2017 )

 
 

2018 jährt sich zum hundertsten Mal die Veröffentlichung von Oswald Spenglers Monumentalwerk "Der Untergang des Abendlandes", die letzte große Geschichtsmetaphysik von Bedeutung. Das Weltenschicksal, das darin beschrieben und begründet wird, sei unausweichlich und darum mit Würde und Fassung hinzunehmen. Wenn heute, hundert Jahre später, Möglichkeiten nahenden Unheils in Betracht gezogen werden, etwa bei Peter Sloterdijk, dann liegt ihren Begründungen eine völlig andere Intention zugrunde. Es gilt, die größtmögliche Katastrophe zu denken, um ihr Eintreten zu verhindern: den Ernstfall nicht passiv erdulden, sondern ihm prospektiv entgegenwirken, lautet ihr Motiv.

Während sich für Oswald Spengler in der technologischen Weltzivilisation das Schicksal der abendländischen Kultur planetarisch vollendet und für Martin Heidegger in der neuzeitlichen Technologie die Mission der altehrwürdigen Metaphysik, entwerfen in unüberbrückbarem Gegensatz dazu diachrone Technikphilosophen und Ingenieurwissenschaftler wie Gotthard Günther oder Ray Kurzweil Zukunftsszenarien, die der Menschheit im 21. Jahrhundert ungeahnte Gestaltungsmöglichkeiten eröffnen, Handlungsperspektiven, in denen es keinerlei "Ende der Geschichte" gibt - dafür aber eben auch ungeheure Gefahren. So gesehen, sind Texte wie die biblische Unheilsprophetie des Johannes oder die "kulturmorphologischen" Offenbarungen Oswald Spenglers aktueller denn je, auch wenn sie heute etwas völlig Anderes bedeuten.

infosperber, 23.3.2018 ()

Manchmal ärgere ich mich selbst, dass mich das Thema nicht loslässt - die Furcht vor vermeintlichem Fortschritt, der mit Zerstörung von Gegenwart und Zukunft erkauft wird. Durch kleine praktische Konsequenzen sowie das tagtägliche mediale Gerede über sie rückt die Digitalisierung zunehmend ins Zentrum. Vielleicht zu Unrecht. Doch wir haben uns hier derzeit wohl alle am spürbarsten in technischen Netzen verfangen.

Ausgangspunkt der zu beschreibenden Lesetour war ein neues Buch von Arno Bammé: «Die Apokalypse denken, um den Ernstfall zu verhindern». Der vielseitige Publizist leitete lange das Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung der Alpen-Adria-Universität, war in einem «Ökotopia-Projekt» beteiligt, gibt die Buchreihe «Nordfriesland im Roman» mit heraus. Auch an der von Bazon Brock in Berlin gegründete «Denkerei» mit ihrem «Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen» ist er beteiligt. Die dort erarbeiteten Texte klingen keineswegs unernst: «Warum Gesellschaften kollabieren», «Schöpfer der zweiten Natur. Der Mensch im Anthropozän». Als der emeritierte Professor gebeten wurde, sich mit Blick auf 2018 intensiver mit Oswald Spengler und der «epochemachenden Schrift» über den «Untergang des Abendlandes» zu befassen, sagte er interessiert zu. Geprüft werden sollte, ob in ihr noch Aktuelles stecke. Daraus wurde ein Essay, der weit über die Frage hinausreicht, was der noch 100 Jahre nach Erscheinen des ersten Bandes bekannte Titel in unseren Köpfen auslöst und wer seitdem solche Visionen gesellschaftlicher Zusammenbrüche weiter verfolgt hat.

Schon auf dem Umschlag steht, derartige Untergangsprophetien - bereits die biblische Apokalypse von Johannes war eine - sowie Hinweise auf «ungeheure Gefahren» seien «aktueller denn je, auch wenn sie heute etwas völlig Anderes bedeuten». Nicht nur der im Untertitel erwähnte Peter Sloterdijk kommt als ein neuerer Denker vor, der sich mit verdrängten Zukunftsszenarien befasst. Eindrücklich erinnert wird an Günther Anders und dessen Auseinandersetzung mit den Herausforderungen des Atomzeitalters. Ein ganzes Kapitel befasst sich mit ihm und unserer «Apokalypse-Blindheit». Der nach der Exilzeit wieder in Wien lebende Philosoph prägte den treffenden Begriff in den 1950er-Jahren «angesichts der Tatsache, dass die Menschheit einerseits über die technische Möglichkeit verfüge, sich selbst auszulöschen, diesem gattungsgeschichtlichen Novum andererseits aber mental in keinerlei Weise gerecht werde». Bei der Atombombe und andern Nutzungen der Kernenergie merkten inzwischen viele, «dass wir der Perfektion unserer Produkte immer weniger gewachsen seien» und «mehr herstellen, als wir uns vorstellen und verantworten können». Auch in den medialen Bereich stiess Anders in seiner Studie über die «Antiquiertheit des Menschen» früh vor. Gern läse ich von ihm ergänzende Notizen zur aktuellen Entwicklung der Digitalisierung! Er starb 1992.




Der Autor
Prof. Dr. Arno Bammé
Arno Bammé

Jahrgang 1944, Ordentlicher Universitätsprofessor an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt (Kärnten), Institut für Technik- und Wissenschaftsforschung, Direktor des Institute for Advanced Studies on Science, Technology and Society in Graz, Leiter der Ferdinand-Tönnies-Arbeitsstelle an der AAU, Fachvorstand der Sektion "Abendländische Epistemologie" beim Amt für Arbeit an unlösbaren Problemen und Maßnahmen der hohen Hand in Berlin, bis zu seiner Emeritierung Vorstand des Instituts für Technik- und Wissenschaftsforschung an der Fakultät für Interdisziplinäre Forschung und Fortbildung der AAU.

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