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Ökonomisches Denken in drei Jahrhunderten

946 pages ·  78.00 EUR (incl. VAT and Free shipping)
ISBN 978-3-7316-1440-1 (27. Juli 2021 )

2 Teilbände, Hardcover, Personen- und Sachregister, Band 1: Bedeutende Ökonomen, Band 2: Ausgewählte Felder und Themen

 

Dieses Werk versammelt Beiträge zu bedeutenden Ökonomen und wichtigen Themenfeldern der Nationalökonomie. So entsteht eine Geschichte des ökonomischen Denkens, die drei Jahrhunderte überspannt.


Band 1: Bedeutende Ökonomen


Vorwort


David Hume

Von der "Natur des Menschen" und der "kommerziellen Gesellschaft". Oder: Über "Nebenwirkungen" und "wirkliche Ursachen"


Adam Smith

Zur Politischen Ökonomie des homo mercans. Adam Smith über Märkte

Adam Smith über das Merkantil- und das Agrikultursystem


David Ricardo

Nichts ist praktischer als gute Theorie


Johann Heinrich von Thünen

Über Roggen, Dung und andere Dinge. Würdigung eines großen Wirtschaftstheoretikers


Hermann Heinrich Gossen

Wer war Hermann Heinrich Gossen (1810-1858), Namengeber eines der Preise des Vereins für Socialpolitik?


Karl Marx, Friedrich Engels und Rudolf Hilferding

Hin zu Marx und über ihn hinaus. Zum 200. Geburtstag eines deutschen politischen Ökonomen von historischem Rang
Karl Marx und die "Unsichtbare Hand"

Der junge Engels über die "Bereicherungswissenschaft", die "Unsittlichkeit" von Privateigentum und Konkurrenz und die "Heuchelei der Oekonomen"

Einhundert Jahre Rudolf Hilferding Das Finanzkapital


Knut Wicksell

Über das "Perpetuum mobile des Volkswirtschaftsmechanismus" und eine "theoretische Verkehrtheit". Knut Wicksell und die Einheit von Produktions- und Distributionstheorie


Joseph A. Schumpeter

Schumpeter im sozialwissenschaftlichen Pantheon

Schumpeter und Keynes. Gemeinsam gegen den Strom, getrennt zu neuen Ufern

Die Durchsetzung neuer Kombinationen, schöpferische Zerstörung und die Rastlosigkeit des Kapitalismus. Zur Aktualität Joseph A. Schumpeters


John Maynard Keynes

Malthus: Vorgänger von Keynes?

Vom Fall und Wiederaufstieg einiger Ideen von Lord Keynes. Oder: Zum trostlosen Zustand einer "elenden Wissenschaft"


Piero Sraffa

Sraffa über Bortkiewicz über Marx über Ricardo



Band 2: Ausgewählte Felder und Themen

Über die scheinbare Paradoxie von Weltablehnung und Erwerbsvirtuosität. Zum 100. Todestag von Max Weber

Die Debatte um die Ertrags- und Kostentheorie und ihre Reflexion im deutschen Schrifttum der dreißiger und vierziger Jahre des 20. Jahrhunderts

Der Raum in der Wirtschaftswissenschaft - Eine wiederentdeckte Dimension

Über das Wachstum im Wissen vom Wissen im Wachstum. Eine kritische Bestandsaufnahme der neueren wachstumstheoretischen Literatur

Kapital und Zins

Unnütze Fragen und Randnotizen zum Problem der Unternehmensbewertung oder Praxisorientierung verlangt rücksichtslose Abstraktion

Der Homo oeconomicus - eine bedrohte Spezies?

"Markt" und "Wert" - ja. "Gefühle" - nein. Der objektivistische Ansatz der ökonomischen Klassik in der Theorie des Werts und der Verteilung

Vermögen ist Macht und Macht gehört beschränkt

Auf der Schwelle zur "Vierten Industriellen Revolution"

Literaturverzeichnis

Personen- und Sachregister


Berliner Debatte Initial, 23. Jahrgang 2022. S. 162-164 ()

"Heinz D. Kurz (Jg. 1946), einer der bekanntesten deutschsprachigen Ökonomen und Theoriehistoriker, der an der Universität Graz forscht und lehrt, hat ein neues umfängliches Werk zur Geschichte des ökonomischen Denkens vorgelegt. Die beiden aufwändig gestalteten und teilweise illustrierten Bände enthalten thematisch aufeinander abgestimmte Aufsätze des Autors aus den zurückliegenden zwei Jahrzehnten. Der erste Band befasst sich mit dem Wirken großer Ökonomen: David Hume, Adam Smith, David Ricardo, Johann Heinrich von Thünen, Hermann Heinrich Gossen, Karl Marx, Friedrich Engels, Rudolf Hilferding, Knut Wicksell, Joseph A. Schumpeter, John Maynard Keynes und Piero Sraffa. Der zweite Band enthält Studien zu ausgewählten Fragen der Ökonomie, so zur Ertrags- und Kostentheorie, zur Raumwirtschaft, zur Wachstums-, Kapital- und Verteilungstheorie, zu Kapital und Zins, zur Verhaltenstheorie und anderes mehr. Alle Aufsätze sind in einer klaren und verständlichen Sprache geschrieben. Gleichwohl genügen sie höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen, was sie von üblicherweise in Journalen verbreiteten Texten populärwissenschaftlichen Inhalts wohltuend unterscheidet.

Es ist ein geflügeltes Wort, dass große Ökonomen unser Denken weit mehr beeinflusst haben als gemeinhin angenommen. Kurz zeigt, dass dem tatsächlich so ist und wer diese "Influencer" waren, welchen Motiven sie folgten, welches ihre Quellen waren und warum sie Erfolg hatten - oder auch nicht - und welche Wirkungen ihre Ideen hervorgebracht haben. Eine spannende Lektüre mit hohem Bildungseffekt!

Der erste Aufsatz ist dem schottischen Philosophen und Ökonomen David Hume (1711-1776) gewidmet. Auf ihn soll hier exemplarisch etwas näher eingegangen werden. Hume steht mitunter im Schatten von Adam Smith, welcher den Höhepunkt der klassischen politischen Ökonomie verkörpert. Dies aber zu Unrecht, wie Kurz belegt, denn sein Werk ist durchdrungen von der "modernen Vorstellung von der Wirtschaft als einem sich aus sich selbst heraus ständig verwandelnden und neu konfigurierenden Gebilde" (I: 23). Auch seine Überlegungen zur Rolle des Geldes in der Wirtschaft sowie zur Zinstheorie sind "ungleich subtiler als diejenigen Smiths" (ebd.: 20). Die Gesellschaft seiner Zeit behandelt er als "kommerzielle Gesellschaft", ihre Menschen jedoch keineswegs (wie später die Neoklassik) nur als homines oeconomici, sondern als "rastlose Wesen", als "homo faber oder homo laborans" (I: 27). Die fortschreitende Monetarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft galt ihm als "bedeutender Aspekt der Entwicklung" (I: 29), was ihn bis heute zu einem Verbündeten in Sachen Geld und Finanzen macht. Besondere Aufmerksamkeit schenkte Hume den Gesetzen des Außenhandels sowie der Waren- und Geldzirkulation. Damit erwies er sich als typischer Vertreter des Spätmerkantilismus (I: 47). Kurz zieht aus seiner Analyse den Schluss, dass Hume nicht der war, für den er bis heute vielfach gehalten wird, ein bloßer Wegbereiter von Adam Smith. Tatsächlich war er "zuallererst ein Entwicklungstheoretiker" (I: 50). Den "eigentlichen Wachstums- und Entwicklungsmotor" erblickte er - hier ganz Merkantilist - im Außenhandel und "die Hefe im zivilisatorischen Gärungsprozess" in der ansonsten eher verpönten "Klasse der Handelskapitalisten" (I: 51). Das Alpha und Omega der sich entfaltenden kommerziellen Gesellschaft sah er im "funktionierenden Geldwesen", in der Tatsache, dass immer größere Teile der Wirtschaft "in den Sog der geldvermittelten Logik der Warenproduktion und -zirkulation geraten" (ebd.). "Die Beine verwurzelt in merkantilistischem Boden", so der Autor resümierend, "dringt sein Geist in die Sphären des klassischen ökonomischen Denkens vor. [...] Wir können auch noch viel von Hume lernen." (I: 52) ...



FAZ, Wirtschaftsblog, 3.1.2022 ()

"Heinz D. Kurz zeigt, wie spannend ökonomische Theoriegeschichte sein kann

Heinz D. Kurz ist ein sehr kluger, ein sehr belesener und ein sehr schreibfreudiger Volkswirt. Von einer intensiven Beschäftigung mit dem Werk des italienischen Ökonomen Piero Sraffa ausgehend, hat sich Kurz im Laufe der vergangenen Jahrzehnte vor allem der Theoriegeschichte verschrieben und auf diesem, leider von modernen Fachvertretern zumeist vernachlässigen Terrain Bedeutendes geleistet. Das vorliegende, im Metropolis-Verlag erschienene voluminöse zweibändige Werk bündelt eine Auswahl der in den vergangenen zwanzig Jahren in deutscher Sprache erschienen Aufsätze des seit vielen Jahren an der Universität in Graz lehrenden Autors.

Band eins vereint Beiträge zu wichtigen Denkern von David Hume bis Piero Sraffa. Schon der erste, Hume gewidmete, Aufsatz zeigt Kurz in seinem Element: Er kennt nicht nur Werke früherer Autoren, sondern auch die relevante Sekundärliteratur. Zudem ist Kurz ein Meister der Kontextualisierung; stets ordnet er die von ihm behandelten Autoren in ihre jeweilige Zeit ein. Natürlich finden sich in dem Band Arbeiten über einflussreiche Denker wie Adam Smith, David Ricardo, Karl Marx, Joseph Schumpeter und John Maynard Keynes, die in wohl jedem Buch über Theoriegeschichte prominente Plätze einnehmen. Eine besondere Erwähnung verdienen die Beiträge über zwei deutsche Ökonomen des 19. Jahrhunderts, deren Bedeutung für die Entwicklung der Volkswirtschaftslehre bis heute kaum angemessen gewürdigt wird. Johann Heinrich von Thünen bewirtschaftete als Landwirt in Mecklenburg das Gut Tellow; nebenher verfasste er mit dem "Isolierten Staat" ein mehrbändiges Werk voller bahnbrechender ökonomischer Erkenntnisse, die sich zu einem nicht geringen Teil später als Bestandteile des ökonomischen Mainstreams etabliert haben. Kurz' Einordnung des Mecklenburgers als eines "der bedeutendsten Wirtschaftstheoretiker und Agrarökonomen aller Zeiten" klingt vielleicht etwas hochtrabend, wirkt aber nicht unbegründet. Ende des 19. Jahrhunderts machte der viel gelesene britische Ökonom Alfred Marshall Thünens Namen in der internationalen Wissenschaftsszene wenigstens etwas bekannt, während das Werk des Mannes aus Tellow in Deutschland noch lange Jahre wenig beachtet blieb.

Wohl jeder Student der Wirtschaftswissenschaften lernt noch heute in einem der ersten Semester die "Gossen'schen Gesetze" kennen, von denen das bekanntere erste Gesetz mit dem fortlaufenden Konsum eines Gutes einen abnehmenden Grenznutzen postuliert: Die meisten Menschen werden das erste Stück Kuchen als nutzbringender einschätzen als das fünfte Stück Kuchen. Wer dieser ominöse Herr Gossen allerdings war, weiß kaum jemand, und das ist auch nicht erstaunlich, weil über Herrn Gossen bis heute nicht viel bekannt ist. Die wichtigsten Erkenntnisse hat Kurz in einem sehr schönen Aufsatz zusammengefasst. Aus dem Rheinland stammend, hatte der junge Hermann Heinrich Gossen auf Wunsch seines Vaters widerwillig eine Beamtenkarriere begonnen, in der er aber nicht reüssierte. Lieber besuchte er Gasthäuser, zudem interessierte er sich für Mathematik und Volkswirtschaftslehre. 1854 veröffentlicht er mit der "Entwickelung der Gesetze des menschlichen Verkehrs" ein Buch, das sich so schlecht verkaufte, dass Gossen vom Verlag frustriert den Restbestand übernahm. Hätte nicht ein Leser in Wien den britischen Ökonomen William Stanley Jevons auf das Werk aufmerksam gemacht, wäre Gossen vermutlich gänzlich unbeachtet geblieben. Jevons erkannte Gossen jedoch als Vorläufer eigener Ideen und teilte diese Erkenntnis seinem berühmten französischen Kollegen Léon Walras mit, der daraufhin Recherchen zu Gossens Leben begann. Währenddessen war der Deutsche in seinem Heimatland gänzlich unbekannt geblieben. "Der Herold des Prinzips der Genussmaximierung" (Kurz) betrachtete Ökonomen als Wegweiser zum Paradies auf Erden. "Gossen, so kann man sagen, nimmt in wesentlichen Bezügen den modernen Glauben an die konfliktfreie, durch Anreize gesteuerte Selbstregulierung von Wirtschaft und Gesellschaft vorweg", schreibt Kurz. "Er ist insoweit ein Autor der Moderne. Zugleich ist sein Denken stark vom Bemühen gekennzeichnet, den Schöpfungsplan als vollkommen auszuweisen. ...

auch wenn seine Neigung, alte Meister am liebsten durch die Brille seines Helden Piero Sraffa zu studieren, gelegentlich etwas bemüht wirkt, bieten seine theoriegeschichtlichen Arbeiten höchst lesenswerte Erkenntnisse und Anregungen."


the author
Prof. em. Dr. Dr. h.c. Heinz D. Kurz
Heinz D. Kurz Institut für Volkswirtschaftslehre und Fellow am Graz Schumpeter Centre, Karl-Franzens-Universität Graz. [more titles]
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